Nach langem Warten und zahlreichen Spekulationen gab die IMU auf der Eröffnungsveranstaltung des ICM in Philadelphia am 23. Juli 2026 die Gewinner*innen der diesjährigen "großen Mathematik-Preise" bekannt. Die vier Fieldsmedaillen des Jahres 2026 gehen an die Mathematiker*innen Yu Deng (Univ. Chicago), John Pardon (Stony Brook Univ., New York), Jacob Tsimerman (Univ. Toronto) und Hong Wang (IHES, Paris).
Yu Deng, Jahrgang 1999, ist Professor für Mathematik an der University of Chicago (Foto privat). Er studierte Mathematik an der Peking-Universität und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und promovierte 2015 an der Princeton University unter der Betreuung von Alexandru Ionescu.

In den letzten zehn Jahren hat er sich rasch als „bemerkenswert origineller Denker“ (MFO, s.u.) profiliert, dessen Arbeit bereits einen erheblichen Einfluss auf die Theorie der partiellen Differentialgleichungen und die mathematische Physik ausgeübt hat. Zu seinen jüngsten Durchbrüchen zählen die Herleitung der wellenkinetischen Gleichung aus der nichtlinearen Schrödinger-Gleichung sowie die Herleitung der Boltzmann-Gleichung aus der Dynamik harter Kugeln (in Zusammenarbeit mit Hani und Hani–Ma), schrieb das mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) auf seinen Internetseiten anlässlich der Vergabe des Oberwolfach Preises des Jahres 2025 an Yu Deng. Ausführlichere Einblicke in das beeindruckende Werk von Yu Deng bietet die dort verlinkte Laudatio von Martin Hairer.
Weitere Informationen zu Yu Deng auch auf seiner Internetseite (in english).
Eine weitere Fieldsmedaille des Jahres 2026 geht an John Vincent Pardon, University of Stony Brook, New York. John Pardon, Jahrgang 1989, ist ein US-amerikanischer Mathematiker, der für seine Beiträge zur Geometrie und Topologie bekannt ist, darunter "bahnbrechende Erkenntnisse in der symplektischen Topologie, der niedrigdimensionalen Topologie und verwandten Bereichen wie pseudo-holomorphen Kurven und Gruppenaktionen auf Mannigfaltigkeiten". Mit seinen Arbeiten hat er langjährige Vermutungen aufgeklärt und Techniken in der Floer-Homologie und den Moduli-Räumen weiterentwickelt, was ihm renommierte Auszeichnungen und breite Anerkennung in der Fachwelt eingebracht hat.
Pardon schloss sein Studium der Mathematik 2011 an der Princeton University als Jahrgangsbester mit einem A.B. ab. Während seines Studiums löste er Gromovs 1983 gestellte Frage zur Knotenverzerrung indem er nachwies, dass die Verzerrung bestimmter Torusknoten beliebig groß sein kann – ein Ergebnis, das in den „Annals of Mathematics“ veröffentlicht wurde. Anschließend promovierte er 2015 an der Stanford University unter der Betreuung von Yakov Eliashberg mit Schwerpunkt auf Themen der symplektischen Geometrie. Noch als Doktorand bewies Pardon den dreidimensionalen Fall der Hilbert-Smith-Vermutung "und zeigte damit, dass jede lokal kompakte Gruppe, die treu auf eine zusammenhängende dreidimensionale Mannigfaltigkeit wirkt, eine Lie-Gruppe ist" – ein Ergebnis, das 2013 im „Journal of the American Mathematical Society“ veröffentlicht wurde. Das Foto zeigt ihn, wie er im Jahr 2017 den Alan T. Waterman Award entgegennimmt.

Im Herbst 2016 wurde Pardon zum ordentlichen Professor für Mathematik an der Princeton University ernannt. Derzeit ist er festes Mitglied und Professor am Simons Center for Geometry and Physics in Stony Brook, New York.
Weitere Informationen zu ihm und seiner Arbeit (in englischer Sprache) hier und hier.
Jacob Tsimerman, Professor für Mathematik an der University of Toronto, bekommt ebenfalls eine Fieldsmedaille. Sein Forschungsgebiet ist die Zahltheorie und angrenzende Gebiete. Dieses Jahr forscht er am Institute of Advanced Study (IAS) für das „Special Year on Arithmetic Geometry, Hodge Theory, and o-minimality“, wie er auf seiner Internetseite bekannt gibt.
Tsimerman wurde 1988 in Kasan, Russland, geboren. 1990 zog seine Familie nach Israel und 1996 weiter nach Kanada. In den Jahren 2003 und 2004 vertrat er Kanada bei der Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) und gewann in beiden Jahren Goldmedaillen, wobei er 2004 die volle Punktzahl erreichte. Tsimerman studierte an der University of Toronto und schloss sein Studium 2006 mit einem Bachelor-Abschluss in Mathematik ab. Er promovierte 2011 an der Princeton University unter der Betreuung von Peter Sarnak. Nach seiner Promotion hatte er eine Postdoc-Stelle an der Harvard University als Junior Fellow der Harvard Society of Fellows inne. Im Juli 2014 erhielt er ein Sloan-Stipendium und trat seine Stelle als Assistenzprofessor an der University of Toronto an, wo er heute als ordentlicher Professor tätig ist.

Neben zahlreichen anderen Preisen bekam Tsimerman im Jahr 2023 den Ostrowski-Preis, wir berichteten.
Eine weitere Fieldsmedaille geht an die 35-jährige Hong Wang, eine Spezialistin für harmonische Analysis. Sie hat kürzlich eine Lösung für die dreidimensionale Kakeya-Vermutung vorgestellt, ein seit langem offenes Problem an der Schnittstelle von Analysis und Geometrie, wir berichteten.

Hong Wang (Fotoquelle wikipedia commons) stammt ursprünglich aus Guangxi, China, und schloss 2011 ihr Bachelorstudium der Mathematik an der Peking-Universität ab. Anschließend zog sie nach Frankreich, wo sie ihr Studium an der École Polytechnique (Cycle Ingénieur polytechnicien, X2010) abschloss und 2014 einen Masterabschluss in Mathematik an der Université Paris-Saclay erwarb. Während ihrer Promotion am MIT, die sie 2019 unter der Betreuung von Larry Guth abschloss, begann sie, sich mit Problemen der Fourier-Analyse zu beschäftigen. Nach einer Postdoc-Stelle am Institute for Advanced Study in Princeton wurde sie 2021 Assistenzprofessorin an der UCLA, bevor sie 2023 zum Courant Institute wechselte. Seit 2025 ist sie Professorin am Institut des Hautes Études Scientifiques . Ende 2025 bekam sie den Ostrowski-Preis.
Weitere Informationen auch auf den Seiten des IHES.
Siehe auch die Informationen zu den Preisträger*innen auf den Seiten der IMU (in english).
Weitere Preisverleihungen
Im Rahmen der Zeremonie gab die IMU zudem die Preisträger*innen weiterer bedeutender Mathematikpreise bekannt. Die vollständigen Begründungen für diese Auszeichnungen sind auf der Website der IMU verfügbar.
Shayan Oveis Gharan von der University of Washington erhielt die Abacus-Medaille für seine mathematischen Beiträge zur Informatik.
Graeme Segal von der Universität Oxford gewann die Chern-Medaille für herausragende Lebensleistungen in der Mathematik.
Der Carl-Friedrich-Gauß-Preis wurde an Yurii Nesterov von der belgischen Universität Löwen für mathematische Beiträge mit bedeutenden angewandten Anwendungen verliehen.
Hannah Fry von der Universität Cambridge wurde mit dem Leelavati-Preis für ihre Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet.


